4. Kongress der Gesellschaft für Anthropologie
Anthropologie ist ein kleines aber vielseitiges Fach im Spektrum der Wissenschaften, in deren Mittelpunkt der Mensch steht. Die Gesellschaft für Anthropologie e.V. (GfA) versteht sich als Vertretung aller Anthropologen und Humanbiologen im deutschsprachigen Raum. Der 4. Kongress der GfA wurde vom 25. - 29. September 2000 unter dem Motto Homo - unsere Herkunft und Zukunft an der Universität Potsdam durchgeführt. Teilnehmer waren 183 Fachwissenschaftler aus 23 Länder. Durch Förderung seitens der DFG und des MWFK des Landes Brandenburg war es möglich, 24 hervorragende Fachvertreter aus dem In- und Ausland als Hauptreferenten einzuladen. In 9 Fachsitzungen kamen 154 Beiträge zu Gehör. Dabei wurden erstmals auch die überwiegend von Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlerinnen gestalteten Poster in Kurzvorträgen vorgestellt. Der Vormittag des 1. Sitzungstages galt der Paläoanthropologie und wurde mit dem spannenden Beitrag von I. Tattersall (USA): "Paleoanthropology as a discovery-driven science" eingeleitet. Am Nachmittag fanden die Fachsitzungen zur Chronobiologie und zu Wachstumsmustern des Menschen statt. M. Henneberg aus Australien berichtete über mögliche Ursachen des unterschiedlich verlaufenden säkularen Trends der Körperhöhe auf der Nord- und der Südhemisphäre. Eine Abendveranstaltung im Schloß-Theater des Neuen Palais mit einem Vortrag von J. Olshansky aus den USA zu einem der Hauptthemen des Kongresses, den Determinanten der menschlichen Langlebigkeit, beschloss den Tag. Am 2. Sitzungstag standen ein gemeinsames Symposium der GfA und der American Association of Physical Anthropologists (AAPA) zum Thema "Reproductive Biology" mit 10 Beiträgen und eine Podiumsdiskussion "Perspectives in human aging and demographic implications" im Mittelpunkt. Außerdem widmete sich die Arbeitsgemeinschaft Angewandte Anthropologie unter industrieanthropologischem Aspekt der menschengerechten Gestaltung körpernaher Umweltelemente. Auch hier galt das Hauptreferat von J.F.M. Molenbroek (Niederlande) "Elderly included" dem zunehmenden Durchschnittsalter unserer Bevölkerung. Der 3. Sitzungstag galt überwiegend der Humanethologie. In 24 Beiträgen wurde menschliches Verhalten behandelt. Dabei lag der Schwerpunkt wiederum auf chronobiologischen Aspekten. In einer eigenen Veranstaltung hatte der wissenschaftliche Nachwuchs die Gelegenheit, im gegenseitigen Austausch aktuelle Probleme zu behandeln. Der letzte Kongresstag war der Bioarchäologie und der Bevölkerungsbiologie und Populationsgenetik gewidmet. Schwerpunkte waren aus Skelettpopulationen abgeleitete Aussagen zu Gesundheit und Krankheit in vergangenen Jahrtausenden und Jahrhunderten sowie der holistische Ansatz in der Bevölkerungsbiologie und Populationsgenetik. Eine großzügige räumliche und technische Unterstützung durch die Universität Potsdam - die Hauptvorträge konnten im technisch exzellent ausgestatteten historischen Auditorium Maximum der Universität gehalten werden, kleinere Räume standen ebenfalls zur Verfügung - sorgte für eine angenehme und produktive Atmosphäre. Der Park Sanssouci lockte mit goldenem Herbstsonnenschein. Ein gelungenes Rahmenprogramm bot Gelegenheit zur wissenschaftlichen Weiterbildung und zum gegenseitigen Gedankenaustausch. Während der Mitgliederversammlung wurde der neue Vorstand der GfA gewählt. Zur Vorsitzenden wurde mit H. Greil erstmals eine Frau gewählt.
Holle Greil, Potsdam


