AG Geschlechterforschung / Genderstudies

Sprecherinnen:

Silke Strohmenger, M. A.
Institut für Anthropologie der Universität Mainz
Colonel-Kleinmann Weg 2
55099 Mainz

e-mail: jusanna@t-online.de

 

Prof. Dr. Sylvia Kirchengast
Institut für Anthropologie Universität Wien
Althanstrasse 14
A-1090 Wien
e-mail: sylvia.kirchengast@univie.ac.at

 

Gründung:

Die AG “Geschlechterforschung / Genderstudies” wurde während des 4. GfA Kongresses „Anthropologie der Geschlechter“ am 19.09.2003 gegründet.

Zielsetzungen und Pläne

Geschlecht umfasst alle Bereiche des menschlichen Lebens. Daraus ergibt sich eine Vielzahl grundlegender Fragen: Was bedeutet der Begriff „Geschlecht“? Wie viele Geschlechter gibt es? Ist eine Unterscheidung in biologisches und soziales Geschlecht sinnvoll? Welche Bedeutung hat „Geschlecht“ für den Menschen, für seine Gesundheit, seine Lebenserwartung, seine sozialen Rollen, sein Status und sein Verhalten? Geschlechterforschung tangiert nahezu alle Teilbereiche der Anthropologie: von der Paläoanthropologie und Osteologie, über die Ethologie, Reproduktionsbiologie und Wachstumsforschung bis hin zur Bevölkerungsbiologie. Hier werden im wesentlichen über anthropologische Basisdaten spezifische Aussagen bezüglich der Geschlechter getroffen. Geschlechterforschung ist aber noch viel mehr: Es ist die Sichtbarmachung und Reflexion der eigenen wissenschaftlichen Theoriebildung, der Untersuchungsmethodik und der Ergebnisinterpretation. Durch die interdisziplinäre Ausrichtung des Faches Anthropologie können Aussagen und Theorien über Geschlecht und Geschlechtlichkeit kritisch hinterfragt, ideologische Forschungspraktiken aufgedeckt und naturwissenschaftliche Hypothesenbildungen neu überdacht werden. Gerade diese Aspekte wurden bislang oft als Arbeitsbereiche der Kultur- und Sozialwissenschaften angesehen. Dies ist jedoch eine grobe Fehleinschätzung: Geschlecht ist nämlich nicht nur eine rein soziale Kategorie, sondern setzt sich vielmehr aus einem Zusammenspiel von körpereigenen Prozessen und sozial-kulturellen Körperpraktiken zusammen. Und sollte deshalb auch und gerade von einer biologisch orientierten Anthropologie behandelt werden.

Aus Perspektive der Theorie, dass die Ursache von Geschlechtsunterschieden untrennbar sowohl aus dem biologischen als auch dem sozial-kulturellen Bereich entstammt, wird ein gezieltes „Networking“ zwischen einzelnen Teildisziplinen der Anthropologie und anderen Wissenschaftsdisziplinen mit Schwerpunkt „Geschlecht“ wie zum Beispiel der Pädagogik, der Soziologie, der Psychologie, der Medizin, der Geschichte, der Kulturanthropologie und der Archäologie immer wichtiger. Konkret geht es darum sich im Rahmen von Workshops, Kongressen und Arbeitsgemeinschaften inhaltlich auszutauschen, Differenzen und Gemeinsamkeiten zu diskutieren und Synergien zu heben.

Angesichts der vielen dringlichen gesellschaftlichen, medizinischen und kulturellen Herausforderungen im Zusammenhang mit „Geschlecht“ ist es wichtig, dass gerade die AG Geschlechterforschung auch innerhalb der Anthropologie ein klares Profil für eine überzeugende Außendarstellung erarbeitet. Nur wenn die Arbeit der AG für externe Zielgruppen sichtbar und der Nutzen deutlich wird, wird sie auch wahrgenommen und kann Wirkung entfalten. In einer Art „Projektkatalog“ könnten beispielsweise die Vorteile, Inhalte und Ziele einer anthropologischen Geschlechterforschung definiert und für die externe Kommunikation aufbereitet werden. Insbesondere die Darstellung des konkreten Nutzens einer anthropologisch orientierten Grundlagenforschung im Hinblick auf „Geschlecht“ ist hierbei besonders wichtig.

Um einen gemeinsamen Rahmen innerhalb der Geschlechterforschung zu finden, wurde deshalb festgelegt, zweimal jährlich einen Workshop zu einem bestimmten Thema zu veranstalten. Mittels Impulsreferaten und einer intensiven Arbeit in Arbeitsgruppen soll eine Annäherung an die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen mit ihren Konzepten, Thesen und Meinungen erzielt werden.

Arbeitsplan:

• Etablierung einer eigenständigen Geschlechterforschung innerhalb der biologischen Anthropologie im deutschsprachigen Raum
• Aufbau einer funktionierenden AG mit möglichst vielen Mitgliedern
• Erarbeitung eines klaren Profils für eine überzeugende Außendarstellung
• Gezieltes „Networking“ mit allen Teilbereichen der Anthropologie mit Schwerpunkt „Geschlecht“ und mit anderen Wissenschaftsdisziplinen mit Schwerpunkt „Geschlechterforschung“

Ankündigungen:

24.09.-25.09.2010 Gemeinsames AG-Treffen mit der Arbeitsgruppe Anthropologie und Pädagogik in Nürnberg